Deutschland führt den neuen Europäischen Digitalen Souveränitätsindex an, doch der Bericht warnt vor weitreichenden Schwächen

Paris – 4. September 2025 – Ein heute veröffentlichter, bahnbrechender Bericht – der Europäische Digitale Resilienz-Index (EDRIX) – liefert eine kritische, datengestützte Bewertung der wachsenden digitalen Abhängigkeit der EU. Während sich Deutschland als Mitgliedstaat mit der höchsten Bewertung herauskristallisiert (EDRIX-Punktzahl: 7,80 von 10), enthält der Bericht eine deutliche Warnung: Europas Abhängigkeit von nicht-europäischer Technologie ist nicht nur ein wirtschaftlicher Aderlass, sondern ein weitreichendes strategisches Versagen, das die Grundlagen seiner Souveränität und der Privatsphäre seiner Bürger bedroht.

Die Erstellung des Berichts ist von zwei dringenden Krisen motiviert. Die erste ist wirtschaftlicher Natur: ein jährlicher Abfluss von 264 Milliarden Euro an den US-Technologiesektor, wie der jüngste Asterès/Cigref-Bericht belegt. Diese massive wirtschaftliche Belastung wird durch den Zusammenbruch der alten transatlantischen Allianz verschärft, wo die Vereinigten Staaten ihre technologische und handelspolitische Dominanz nun offen als geopolitische Waffe einsetzen und Europas regulatorische Autonomie und strategische Unabhängigkeit direkt herausfordern.

Eine zentrale Erkenntnis aus den EDRIX-Daten ist die alarmierende und weitverbreitete Abhängigkeit zentraler öffentlicher Institutionen von US-basierter digitaler Infrastruktur. Die Analyse zeigt, dass die offiziellen Websites der Regierungen von Estland, Irland und Malta vollständig in den USA gehostet werden, während auch die Büros des französischen Präsidenten, des dänischen Monarchen und der finnischen Hauptstadt Helsinki auf US-kontrollierte Infrastruktur angewiesen sind. Darüber hinaus werden die E-Mail-Dienste wichtiger öffentlicher Behörden in Belgien, Bulgarien, Italien, Lettland, Litauen, Schweden, Slowakei, Spanien, den Niederlanden und Zypern von US-Anbietern verwaltet, wodurch sensible öffentliche und Bürgerdaten ausländischen Rechtsordnungen wie dem US CLOUD Act ausgesetzt und erhebliche Risiken für die Vertraulichkeit offizieller Informationen geschaffen werden.

„Auch für die führenden Nationen in unseren Rankings ist dies kein Zeitpunkt für Triumphalismus", erklärte Dr. Stéfane Fermigier, Autor des EDRIX-Berichts. „Trotz jahrelanger Gesetzgebung mit dem Grundsatz ‚Open Source zuerst' bleibt die reale Adoption souveräner Alternativen hartnäckig niedrig: Linux-Desktops halten nur 3,7 % Marktanteil, und ‚souveräne Browser' kommen in Europa lediglich auf 17 % – beides liegt unter den US-Werten. Unser Index ist darauf ausgelegt, diese tiefen strukturellen Schwächen aufzudecken und als dringender Aufruf zu entschlossenem Handeln aus jeder europäischen Hauptstadt zu dienen."

Der Bericht analysiert die Leistung über fünf Säulen hinweg – öffentliche Politik, Entwickler-Ökosystem, Adoption an der Basis, digitale Resilienz des privaten Sektors und digitale Resilienz des öffentlichen Sektors – und zeichnet ein komplexes Bild:

  • Kluft zwischen Politik und Praxis: Länder mit erstklassiger öffentlicher Politik wie Deutschland (EDRIX-Punktzahl: 7,80) und Frankreich (6,64) weisen weiterhin erhebliche Lücken in Adoption an der Basis und der Stärke ihres Entwickler-Ökosystems auf, was darauf hindeutet, dass Strategien auf dem Papier in der Realität keine ausreichende Wirkung entfalten.
  • Umsetzungsmeister, aber fragil: Die Tschechische Republik (6,89) führt in der digitalen Resilienz des privaten und öffentlichen Sektors und demonstriert starke Umsetzungskraft, doch ihre Gesamtresilienz wird durch eine moderate Entwicklerbasis gebremst.
  • Ungenutztes Talent: Nationen wie Irland (3,10), trotz eines insgesamt niedrigen Rangs, verfügen über eines der fünf besten Entwickler-Ökosysteme und verdeutlichen damit eine kritische Diskrepanz zwischen Humankapital und effektiver nationaler Digitalstrategie.

Der EDRIX und der begleitende Europäische Index der Bereitschaft für offene Technologien (EOTRIX), der sich auf Open-Source-Politik und -Adoption konzentriert, liefern den unverzichtbaren Datenrahmen, um die Industriepolitik zu leiten, die notwendig ist, um einen resilienten, souveränen „EuroStack" aufzubauen. Dies erfordert eine sofortige, gemeinsame Anstrengung, um Europas Abgleiten in die „digitale Vasallenschaft" umzukehren und seine wirtschaftliche Zukunft sowie seine grundlegenden Werte zu schützen.

Über den Europäischen Digitalen Resilienz-Index (EDRIX)

Der EDRIX ist ein zusammengesetzter Index, der ein ganzheitliches Maß für die Fähigkeit einer Nation liefert, Technologie unabhängig zu schaffen, einzusetzen und zu nutzen. Er bündelt Metriken aus fünf unterschiedlichen Datensäulen: öffentliche Politik, Entwickler-Ökosystem, Adoption an der Basis, digitale Resilienz des privaten Sektors und digitale Resilienz des öffentlichen Sektors. Erstmals im September 2025 veröffentlicht, wird er regelmäßig aktualisiert.

Der vollständige Bericht – einschließlich detaillierter Methodik und Analyse pro Land – ist verfügbar unter: edrix.eu

Kontakt

Stéfane Fermigier, Schöpfer des EDRIX
E-Mail: sf@fermigier.com